Zum Inhalt springen

Alternative für die Welt

Es ist Montag. Der Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Der Schock....
Wände sind mit geometrischen Mustern bestrahlt, in der Mitte steht ein Taufbecken, darüber hängt ein Windspiel
Datum:
12. Sept. 2026
Von:
Sonja Mitze, Vertretungspfarrerin im Kirchenkreis Trier

... sitzt tief, dass eine Partei, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, um ein Haar ein deutsches Bundesland hätte allein regieren können. Was sich seit Monaten, wenn nicht Jahren angebahnt hat, ist nun Realität geworden. Nicht nur irgendwo weit weg. Nein, hier bei uns. „Das macht mir Angst.“  So die Worte der früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und Holocaustüberlebenden Charlotte Knobloch. Und ja, mir macht es auch Angst. Angst, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, dass wieder einmal Menschen, die gerade nicht ins Konzept passen, diskriminiert, abgeschoben, deportiert, misshandelt, getötet werden – womöglich noch von einer Bürgermiliz. Und wir wieder dabei zusehen, wegsehen, schweigen. Angst ist gut, um uns auf Gefahren hinzuweisen. Angst ist schlecht, wenn sie uns lähmt. Heute fühle ich mich wie gelähmt und versuche dagegen anzukämpfen, indem ich darüber schreibe. Aus Sicht einer, die an Gott glaubt. Den Gott Israels, um genau zu sein. Ich bin keine Jüdin. Aber ich bin getauft – im Namen Jesu Christi, der Jude war. So wurde der Gott Israels auch mein Gott. Ich mag ihn, denn er ist ein Gott, der alle Menschen liebt. Soziale Gerechtigkeit ist ihm deshalb sehr wichtig. Die, die nicht aus eigener Kraft über die Runden kommen, sollen trotzdem genug haben. Und was ihn echt auf die Palme bringt ist, wenn kleine Leute, die ohnehin nicht viel haben, von denen, die viel besitzen, noch über den Tisch gezogen werden. Fremde sollen nach seinem Willen besonderen Schutz genießen. Es ist ihm wichtig, dass wir Menschen einander mit Respekt begegnen – auch denen, die wir nicht leiden können. Und auch denen, die uns nicht leiden können. Jesus fordert uns sogar auf, unsere Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die uns hassen und die zu segnen, die uns verfluchen. Und ich glaube, er sagt das, weil wir Christinnen und Christen anfangen sollen, etwas auf dieser Welt zu ändern - nicht so weitermachen wie bisher, damit etwas Neues entstehen kann. Eine Alternative für diese Welt: für eine Welt, in der niemand Angst hat, zu kurz zu kommen; in der niemand an den Rand gedrängt wird, weil er anders ist als die anderen; eine Welt, in der es gerecht zugeht: zwischen den Geschlechtern, zwischen Menschen verschiedener Herkunft, zwischen Menschen verschiedener Religionen und Hautfarben, zwischen denen, die viel haben und denen die wenig haben; eine Welt, in der Frieden herrscht und nicht Krieg; eine Welt, in der sogar die Tiere und die Schöpfung mit Respekt behandelt werden.

Vielleicht klingt das jetzt alles wie ein schöner Traum. Aber in der Taufe hat Gott diesen Traum in uns eingepflanzt. Nicht als ausgewachsene Pflanze, sondern als Samenkorn. Unsere Aufgabe ist es, dieses Korn keimen zu lassen, es zu hegen und zu pflegen, damit es wächst. Und dabei sollten wir nie vergessen: Wir sind nicht allein. Wir sind viele. Träumen wir Gottes Traum in diese Welt hinein!